3. Zusammenfassung (1933-1945): Mein Tagebuch

Im folgenden Tagebuch beschreibe ich aus der Sicht eines "Mannes" der alles hautnah miterlebt hat.

Sowohl die Gleichschaltung sowie Hitlers Ideologie werden dargestellt und kritisch betrachtet.


Freitag der 20.; ...mein Leben und was bisher geschah.

 

Ich schreibe dies in dem Gewissen, dass das Folgende mich den Kopf kosten könnte.

Wie schon meine Mutter sagte, war ich sehr schlau für mein zartes Alter von 7 Jahren was vielleicht erklären könnte, warum ich dies schreibe, denn was hier nach und nach passiert ist nur schwer zu erklären. Mit dem Alter habe ich das Tagebuch immer weiter vervollständigt.
Bereits in der Schule fühlte ich mich von allen Seiten bedrängt. Mein Bruder erzählte mir als ich noch kleiner war immer. dass die Schule der Grundstein des Wissens sei, doch als ich das erste mal ein Klassenzimmer betrat war ich nicht dieser Meinung. Überall Hakenkreuze: Fahnen an den Wänden, Wimpel auf dem Lehrertisch und und und. Die Lehrer waren weder weltoffen noch nahmen sie jedwede Kritik (wenn auch berechtigt) an der “Regierung” an sondern ließen harte Strafen folgen. Menschen die ich schon seit meiner Geburt kannte und mit denen ich regelmäßig spielte wurden auf einmal schlecht gemacht: ihre Kultur, ihre Religion, ihr Benehmen - nichts davon sollte seine Berechtigung haben.Von einer Ideologie sprachen die Lehrer, “Juden raus!” sagten sie, doch merkten meine Mitschüler letzten Endes nicht wozu dies führte. Jeder weiß, dass Kinder am effektivsten lernen können, doch haben sie noch keinen freien Willen. Sie wurden alle zu Maschinen. Wer nun meint nur die Schule wäre von diesem “Gleichschaltungsvirus” befallen der fehlt weit. 
Mit vollendetem 10 Lebensjahr wurde ich von meinen Eltern gezwungen, zusammen mit anderen Jungen meines Alters dem deutschen Jungvolk beizutreten. Eine Vereinigung von Nationalsozialisten. Ich war sozusagen in der Höhle des Löwen gefangen. Spiele spielten wir, wir lachten, stärkten unsere Gemeinschaft. Oberflächlich vielleicht. Jedes Spiel, jeder Ball, jedes noch so kleine Staubkorn das an jenem Ball hing wies eine Prägung gen Hitler auf. War ich denn der Einzige der das erkannte? Wir waren weg von unseren Familien, die Erziehung oblag dem Reichsjugendführer. Doch was war nun das schlimmere Übel? Eltern, die ihr Haupt aus Angst beugen ohne zu erkennen, dass dies nur noch zu einem schlimmeren Übel führt oder einer von der Regierung gesteuerten Marionette? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall erdrückte einen die schere Last der Gleichschaltung.Mit 14 war noch lange nicht Schluss, dann ging es zur Hitlerjugend. Einer Kaserne für Kinder, wie mir später bewusst wurde. 
Nicht einmal Trost im Gebet konnte man mehr finden, auch die Kirchen verfielen dem Feind. Unser damaliger Bischof, Gott hab ihn selig, hätte dümmer nicht handeln können. Seine Klage über die verlorene Bedeutung der Kirche und der Wunsch eines baldigen Endes der Weimarer Republik trafen bei Hitler nicht auf taube Ohren. Hätte er doch bloß auf den Vatikan gehört, doch da war es auch schon zu spät. Bei den Synodalwahlen siegten die NS Unterstützer in der Kirche gegen die bekennenden Christen. Die “deutschen Christen” setzten Ludwig Müller als Reichsbischof ein. Das Ende des freien Glaubens in der Kirche. Das dieser Machtbeweis Hitler nun auch noch geistige Belange betraf war ein herber Schlag für mich, denn nun musste ich mich von den hiesigen Kirchen fernhalten und im verborgenen beten.
Mit 18 wollte ich nun endlich meinem Traumberuf nachgehen. Mit dem Verfassen von Büchern mir Gehör zu verschaffen; die Welt aufklären. Keine Vorgaben. Keine Einschränkungen. Doch diesmal irrte ich mich. Um meinem Berufszweig zu folgen, musste ich Mitglied der Reichskulturkammer werden. Verdammt. Hören denn die Wände nicht vorher auf näher zu kommen bis sie mich zerquetscht haben? Schweren Herzens ordnete ich mich unter und trat der Kammer bei und besiegelte damit mein Schicksal. Fortan war es mir nur noch gestattet Lobpreisungen über Hitler zu verfassen. Ein Jahr hielt ich es aus. Ein langes Jahr der unterdrückten Meinung, dann hielt ich es nicht mehr aus und kündigte. 
Bei den Medien verhielt es sich genau so wie bei meinem Versuch, ein ausgezeichneter Schriftsteller zu werden. 
Also sah ich nur noch eine Chance. Wenn jemand noch “normal” war, dann unser Freund und Helfer: die Polizei. Mein Vorgesetzter machte mir erst einmal klar, dass man das Gesetz auch mit Gewalt durchsetzen sollte, wenn Worte nichts halfen. Dies sprach er jedoch mit einem seltsamen hämischen Lächeln auf seinen Lippen, welches mich vermuten ließ, dass das nur zu oft der Fall war. Mein erster Tag fing eigentlich mit einer ganz normalen Patrouille mit meinem Partner an. Wir waren erst ein paar Meter gelaufen als uns auch schon ein Mann mittleren Alters entgegen kam und uns bat, die Juden festzunehmen, die er in seinem Gasthaus gefangen genommen hätte. Erstaunt über ein solches Maß an Menschenfeindlichkeit folgte ich dem Mann, mein Partner war nicht weit hinter mir. Als wir das Haus erreichten, stockte mir der Atem. Auf dem Dachboden saß in einer Ecke eine vierköpfige Familie: Vater, Mutter, und junge Männer. Ich traute meinen Augen nicht. Es war die Familie, die früher neben uns gewohnt hatte. Meine Freunde, meine zweite Familie. Mein Partner stürmte an mir vorbei mit dem Knüppel in der Hand, hoch erhoben. Er holte aus und dann... dann versetzte ich ihm einen Schlag mit meinem Knüppel an den Hinterkopf. Seine Anspannung wich einer Schlaffheit die ich bis heute nicht vergessen kann. Ich hatte meine Freunde vor dem schlimmsten bewahrt, doch zu welchem Preis. Ich habe getötet.
Der Mann der uns vorher gerufen hatte, rannte hinaus auf die Straße. Ich wusste, dass uns nicht mehr viel Zeit blieb, bevor meine so genannten Kollegen eintreffen. Gerade als ich meine Freunde in Sicherheit gebracht hatte, tauchten hinter mir Polizisten auf. Ich nahm die Hände hinter den Kopf , sank auf die Knie und erwartete mein Schicksal. Ein Schlag gegen die Schläfe folgte und als ich erwachte sah ich die Mauern eines Konzentrationslagers um mich herum. 
Jetzt wird vielleicht klar, warum ich dies geschrieben habe. Ich bin ein toter Mann so oder so. Morgen steht mir die Gaskammer bevor. Gott steh mir bei. Die Gaskammer. 
Ich hoffe, dass derjenige, der das findet, die Wahrheit erkennt und dass das, was ich durchgemacht habe nicht umsonst war. Möge dieses Grauen bald ein Ende haben. 
Vater unser im Himmel...

 

Dienstag der 8.; Wie soll es nun weitergehen?

Der Untersturmführer ließ mich aus meiner Zelle zerren. Mit jeder mir noch zur Verfügung stehenden Kraft, versuchte ich mich zu wehren. Vergebens. Ich konnte deutlich die Blicke meiner Mitgefangenen spüren. Sie durchdrangen mich wie ein scharfes Messer ein Stück Papier. Das Einzige was ich noch hören konnte, war der Gesang Priester im so genannten Pfarrerblock. Meter um Meter näherte ich mich dem Kreuz, an dem nur wenige Tage zuvor einer der sich weigerte zu arbeiten, aufgehängt worden ist. Doch schienen sie mir den Tod nach all den Qualen, die ich erlitten hatte, nicht zu gönnen. Sie führten mich zu einer kleinen Tür in der Mauer, die mich wie ich später feststellen sollte, in die Freiheit entlassen sollte. Mit einem schelmischen Grinsen gab mir der Untersturmführer meine Sachen zurück, mit den Worten: "Bedank dich bei dem Judenpack". Vor Erleichterung liefen mir Tränen an meinen durch harte Arbeit und wenig Essen nun ausgeprägten Wangen hinunter. Wenigstens Gott lässt sich von Hitler nicht täuschen, dachte ich mir.
Die kommenden Tage verbrachte ich erst einmal damit mir festen Boden unter den Füßen zu verschaffen.
Eine Wohnung, ein Job und vor allem viel Schlaf. Erstere waren nicht gut, doch allemal besser als das Konzentrationslager. Ich suchte nach meinen Rettern und fand sie wenige Tage später, versteckt im Keller eines Einfamilienhauses. Sie erklärten mir, dass sie noch etwas gegen den Untersturmführer in der Hand gehabt hätten und mich so befreien konnten, doch dass es nun an der Zeit sei getrennte Wege zu gehen. Traurig. Freundschaften gehen einfach so auseinander.
Die Nationalsozialisten hatten mich vielleicht eingeschüchtert, doch war mein Geist keinesfalls gebrochen. Was für eine bessere Gelegenheit gibt es seine Meinung kund zu tun, als zu einer Propagandaveranstaltung zu gehen und die Saat der Rebellion dort zu sähen. Jedoch rechnete ich nicht damit, das Goebbels persönlich uns die Ehre gibt. Mir entfallen zwar immer mehr teile von seiner Rede, was mich aber nicht darin hindern wird die übrig gebliebenen zu notieren. Er sprach von Rassismus und deren unterschiedlichen Wertigkeit. Was für ein Schwachkopf er ist. Wer mischte sich in den ERSTEN WELTKRIEG ein und versetzte uns damit den vernichtenden Dolchstoß? Die USA. Auch wenn wir nicht viele Informationen über die Amerikaner hatten, so wussten wir doch Eines. Schwarze und Weiße kämpften Hand in Hand. Das verdeutlicht doch nur, dass eine Aufteilung der Rassen wenig vielversprechend ist, sowohl im Bezug auf wirtschaftlichen, als auch militärischen Erfolg.
 "Juden raus!" Wie schon gesagt wurde uns das immer eingetrichtert. Aber hatte ich nicht am eigenen Leib die Hilfe der Juden gespürt? Sie haben mich aus dem Konzentrationslager befreit. Alle Juden zusammenzufassen wäre wie eine Aufteilung der Welt in Klassen, da das Judentum ja eigentlich eine Religion und keine Rasse ist. Also musste man sie doch in ihren Berufen zusammenfassen. Wollte Hitler denn nicht eigentlich eine Rassenaufteilung? Seltsam. Er widerspricht sich, nur ein Fehler von vielen. 
Weiter sprach Goebbels vom Solialdarwinismus. Er setzt uns gleich mit Tieren. Mit dreckigen und dummen Geschöpfen. Das mag vielleicht auf ihn und seine Anhängerschaft zutreffen. Wir unterscheiden uns in vielerlei Hinsicht mit dem Tierreich, von den äußeren Gegebenheiten mal abgesehen. Wir teilen nicht einmal ihr Verhaltensmuster. Fressen alle Frauen nach dem Geschlechtverkehr den Mann, wie die Schwarze Witwe oder lausen wir uns etwa gegenseitig wie die Affen? Wohl eher nicht. Gleichzeitig sprach er aber von der Bildung einer Volksgemeinschaft. Bauern arbeiten mit Gelehrten. Wo bleibt da “der Stärkere gewinnt”? Das entspricht ungefähr einem sorgenden Vater dem es egal ist wo seine Tochter sich aufhält.
Hitler lässt keinen Platz für Kritik. Indem er sich zum Diktator gemacht hat, hat er sich praktisch unberührbar gegenüber jedweder Kritik gemacht. Die Fehler häufen sich auf und lassen das Land Deutschland in sich zusammenfallen. Hitler wird bald merken, dass er sich immer mehr von dem Boden unter seinen Füßen weg gräbt. Er wird schon bald auf die Nase fallen. Und wir, das Volk, werden ihn so bereitwillig einige jetzt auch sein mögen, dann nicht auffangen.